Kollagen und Hautgesundheit – Was die Wissenschaft sagt
- Gesundheits Anzeiger

- 13. Nov.
- 4 Min. Lesezeit
Kollagen gilt als Strukturprotein der Haut und wird häufig mit Anti-Aging-Effekten in Verbindung gebracht. Doch was kann eine gezielte Kollagenzufuhr tatsächlich leisten? Die Forschung der letzten Jahre liefert interessante Erkenntnisse über die Rolle von Kollagen im Hautstoffwechsel und dessen mögliche Beeinflussung durch Ernährung. Dieser Beitrag beleuchtet die wissenschaftlichen Grundlagen, erklärt die verschiedenen Kollagentypen und ordnet die aktuelle Studienlage ein.

Die Rolle von Kollagen im Körper
Kollagen ist das am häufigsten vorkommende Protein im menschlichen Körper und macht etwa 30 Prozent der Gesamtproteinmasse aus. Es bildet die strukturelle Grundlage von Haut, Knochen, Sehnen, Bändern und Knorpeln. In der Haut ist Kollagen hauptsächlich in der Dermis, der mittleren Hautschicht, zu finden und sorgt dort für Festigkeit und Elastizität.
Mit zunehmendem Alter verändert sich die Kollagenstruktur im Körper. Ab dem 25. Lebensjahr sinkt die körpereigene Kollagenproduktion jährlich um etwa ein Prozent. Gleichzeitig nimmt der enzymatische Abbau von Kollagen zu, was zu einer Abnahme der Hautdichte und zur Faltenbildung führen kann. Dieser Prozess wird durch äußere Faktoren wie UV-Strahlung, Rauchen und oxidativen Stress zusätzlich beschleunigt.
Es existieren verschiedene Kollagentypen im menschlichen Körper, von denen Typ I, II und III die bedeutendsten sind. Typ I macht etwa 90 Prozent des Gesamtkollagens aus und findet sich vor allem in Haut, Knochen und Sehnen. Typ II ist hauptsächlich in Knorpelgewebe vorhanden, während Typ III zusammen mit Typ I in der Haut vorkommt und besonders in jungem Gewebe reichlich vertreten ist.
Kollagenstoffwechsel und Ernährung
Die körpereigene Kollagensynthese ist ein komplexer biochemischer Prozess, der verschiedene Nährstoffe als Cofaktoren benötigt. Vitamin C spielt dabei eine zentrale Rolle, da es für die Hydroxylierung von Prolin und Lysin notwendig ist – ein essentieller Schritt in der Kollagenbildung. Auch Kupfer, Zink und Mangan sind als Spurenelemente an der Kollagensynthese beteiligt.
Bei der Aufnahme von Kollagen über die Nahrung wird das Protein zunächst im Verdauungstrakt in kleinere Bestandteile zerlegt. Entgegen früherer Annahmen zeigen neuere Studien, dass bestimmte Kollagenpeptide die Darmbarriere passieren und im Blutkreislauf nachweisbar sind. Diese bioaktiven Peptide können offenbar Signalwirkungen auf Hautzellen ausüben und die körpereigene Kollagenproduktion stimulieren.
Die Bioverfügbarkeit von Kollagen hängt stark von dessen Aufbereitung ab. Hydrolysiertes Kollagen, bei dem die Proteine bereits in kleinere Peptide aufgespalten wurden, weist eine höhere Absorptionsrate auf als natives Kollagen. Studien konnten zeigen, dass nach der Einnahme von hydrolysiertem Kollagen dessen Peptide bereits nach wenigen Stunden in der Haut nachweisbar sind und dort bis zu 96 Stunden verbleiben können.
Aktuelle Studienlage zur Hautwirkung
Die wissenschaftliche Untersuchung von Kollagen als Nahrungsergänzung hat in den letzten Jahren an Umfang zugenommen. Mehrere placebokontrollierte Studien haben sich mit den Auswirkungen einer oralen Kollagenzufuhr auf Hautparameter befasst. Eine Meta-Analyse aus dem Jahr 2021, die elf randomisierte kontrollierte Studien auswertete, kam zu dem Schluss, dass die Einnahme von Kollagenpeptiden positive Effekte auf Hautelastizität und Hautfeuchtigkeit haben kann.
In einer placebokontrollen Studie mit 69 Frauen im Alter von 35 bis 55 Jahren zeigte sich nach achtwöchiger Einnahme von hydrolysiertem Kollagen eine statistisch signifikante Verbesserung der Hautelastizität im Vergleich zur Placebogruppe. Eine weitere Untersuchung dokumentierte nach zwölf Wochen eine Reduktion der Faltentiefe um durchschnittlich 20 Prozent gegenüber dem Ausgangswert.
Allerdings weisen viele dieser Studien methodische Einschränkungen auf. Die Probandenzahlen sind oft klein, Beobachtungszeiträume relativ kurz, und in einigen Fällen bestehen finanzielle Verbindungen zu Herstellern. Zudem variieren die verwendeten Dosierungen erheblich, typischerweise zwischen 2,5 und 15 Gramm täglich. Die optimale Dosierung ist wissenschaftlich noch nicht abschließend geklärt.
Einflussfaktoren auf die Kollagengesundheit
Neben der direkten Zufuhr von Kollagen oder dessen Bausteinen spielen verschiedene Lebensstilfaktoren eine wesentliche Rolle für den Kollagenstoffwechsel. UV-Strahlung ist einer der Hauptfaktoren für den vorzeitigen Kollagenabbau. Sie führt zur Bildung freier Radikale, die kollagenabbauende Enzyme aktivieren und gleichzeitig die Kollagensynthese hemmen. Ein konsequenter UV-Schutz ist daher eine der wirksamsten Maßnahmen zum Erhalt der Hautstruktur.
Auch die Ernährung beeinflusst die Kollagengesundheit erheblich. Eine proteinreiche Ernährung liefert die notwendigen Aminosäuren für die Kollagensynthese. Besonders die Aminosäuren Glycin, Prolin und Hydroxyprolin sind wichtig, da sie in hoher Konzentration im Kollagen vorkommen. Vitamin-C-reiche Lebensmittel unterstützen ebenfalls die Kollagenbildung, weshalb eine ausreichende Zufuhr von Obst und Gemüse empfehlenswert ist.
Zucker und stark verarbeitete Kohlenhydrate können sich negativ auf die Kollagenstruktur auswirken. Bei erhöhten Blutzuckerspiegeln kommt es verstärkt zur Glykierung, einem Prozess, bei dem Zuckermoleküle an Proteine binden. Diese Glykationsendprodukte können Kollagenfasern verhärten und deren Abbau beschleunigen. Eine ausgewogene Ernährung mit moderatem Zuckerkonsum ist daher aus kollagenphysiologischer Sicht sinnvoll.
Grenzen und offene Fragen
Trotz vielversprechender Studienergebnisse bleiben wichtige Fragen zur Kollagensupplementierung offen. Die Langzeitwirkungen einer kontinuierlichen Kollagenzufuhr sind bisher kaum untersucht. Auch fehlen große, unabhängige Studien, die verschiedene Kollagenquellen und Dosierungen direkt miteinander vergleichen. Die individuellen Unterschiede in der Kollagenaufnahme und -verwertung sind ebenfalls noch nicht ausreichend erforscht.
Ein weiterer Aspekt betrifft die Herkunft und Qualität von Kollagenprodukten. Diese können aus verschiedenen Quellen stammen, etwa aus Rinder-, Schweine- oder Fischhaut. Die Aminosäurezusammensetzung unterscheidet sich je nach Quelle leicht, wobei marines Kollagen aufgrund seiner kleineren Peptidgröße möglicherweise eine bessere Bioverfügbarkeit aufweist. Standardisierte Qualitätskriterien und unabhängige Prüfungen sind wichtig, um die Reinheit und Zusammensetzung zu gewährleisten.
Die Frage, ob eine gezielte Kollagenzufuhr tatsächlich notwendig ist oder ob eine proteinreiche, ausgewogene Ernährung ausreicht, lässt sich nicht pauschal beantworten. Bei einer ausreichenden Versorgung mit essentiellen Aminosäuren und den notwendigen Cofaktoren kann der Körper prinzipiell selbst Kollagen synthetisieren. Inwieweit eine zusätzliche Zufuhr von Kollagenpeptiden darüber hinaus einen messbaren Nutzen bringt, hängt von individuellen Faktoren wie Alter, Ernährungsgewohnheiten und Hautzustand ab.
Fazit aus wissenschaftlicher Perspektive
Die aktuelle Forschungslage deutet darauf hin, dass die orale Aufnahme von hydrolysiertem Kollagen potenziell positive Effekte auf Hautparameter haben kann. Die Mechanismen sind plausibel und werden durch mehrere kontrollierte Studien gestützt. Gleichzeitig ist die Evidenz noch nicht so robust, dass von einem gesicherten Wirkmechanismus gesprochen werden kann. Weitere unabhängige Forschung mit größeren Stichproben und längeren Beobachtungszeiträumen ist notwendig.
Für die Hautgesundheit bleibt ein ganzheitlicher Ansatz entscheidend. UV-Schutz, eine ausgewogene Ernährung mit ausreichend Protein und Mikronährstoffen, Verzicht auf Rauchen und ein moderater Zuckerkonsum sind evidenzbasierte Maßnahmen zum Erhalt der Hautstruktur. Ob eine zusätzliche Kollagensupplementierung individuell sinnvoll ist, sollte nach Abwägung der verfügbaren Evidenz und unter Berücksichtigung persönlicher Faktoren entschieden werden.
